TÜV-geprüft, bunt und unschlagbar günstig: Schattennetze im Meterverkauf sind das Erste, das eine Internetsuchmaschine bei diesem Begriff ausspuckt. Doch Schutz vor der Sonne ist hier keineswegs gemeint, der wissende Sucher scrollt auf der Ergebnisseite weiter nach unten. Denn Schattennetz oder Darknet (engl. Dunkles Netz) sind Sammelbegriffe für versteckte Seiten des Internets. Experten schätzen, dass es davon rund 500 mal so viele wie frei Zugängliche gibt. Die schattigen Seiten sind mit normalen Browsern nicht aufrufbar, auch Suchmaschinen können nicht darauf zugreifen. Der Zugang jedoch ist kinderleicht, kostenlos und völlig legal.

Letzteres trifft nicht auf alles zu, das sich dort abspielt.

Das Tor zum Schattennetz ist das Browserpaket Tor, kurz für The Onion Routing. Herunterladen kann man den Zwiebelrouter kostenlos aus dem Alltagsinternet. Im Paket enthalten sind alle Programme, die ein Schattensurfer braucht, unter anderem die dunkle Version des bekannten Internetbrowsers Firefox. Sobald alles installiert ist, kann das Schattennetz wie jedes normale Programm durch einen Doppelklick auf das Icon geöffnet werden. Sich zurechtzufinden ist nicht schwer, denn in seiner Bedienung funktioniert das Schattennetz genau wie das Internet.

Ganz groß geschrieben wird im Darknet die Anonymität seiner Nutzer.

Jede Aktivität wird von Tor verschlüsselt und über mehrere Server geleitet. Das macht das Aufspüren einzelner Nutzer durch Behörden oder Hacker schwierig bis unmöglich. Jeder, der im Schattennetz surft stellt dabei automatisch seine eigene IP-Adresse als Knotenpunkt für alle anderen Nutzer zur Verfügung. Neue Nutzer erweitern so das Netzwerk und die Verschlüsselungsmöglichkeiten.

Neben E-Mail-Diensten, Chaträumen und Blogs kennt der digitale Untergrund sogar soziale Netzwerke. Vor allem aber gibt es Online-Shops und Tauschbörsen, und was da über die Datentheke geht ist selten von legaler Natur. Unverhalten werden Drogen und Waffen angeboten, Kinderpornoseiten betrieben und Hackerattacken geplant.

Doch es gibt auch Licht in der Schattenwelt. Durch die Unaufspürbarkeit der Nutzer können sich Freigeister und Aktivisten ohne staatliche Zensur und Verfolgung austauschen, und sich sicher fühlen. Und auch gegen die digitalen Gangster ist der Kampf nicht hoffnungslos. Wo der Polizei die Mittel fehlen nehmen zunehmend Hackerkreise das Recht in die Hand: Im Falle der Kinderpornoseite Lolita-City bekannte sich eine Gruppe namens Anonymous zu den Angriffen im Oktober 2011, die Namen und Daten von fast 1.600 Pädophilen zu Tage förderten.