Die journalistische Ausgangsfrage

Im Mittelpunkt einer Recherche steht nicht selten eine Frage. Wie viele Schulden hat Deutschland? Wie gefährlich ist der Dortmunder Norden? Wann werden wir unser CO2-Budget erreicht haben? Journalisten suchen Antworten auf diese Fragen, in dem sie Experten interviewen, in Archiven nach Dokumenten suchen oder passende Datensätze auswerten.

Ein schönes Beispiel für diesen Rechercheansatz findet sich in der Berliner Morgenpost. Wo wohnen eigentlich die echten, gebürtigen Berliner in Berlin? Unter anderem dieser journalistischen Ausgangsfrage ging ein Team um und mit Datenjournalist Julius Tröger nach, indem es einen Datensatz des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg auswertete. Ein tolles Projekt, dass sich auch auf andere Städte übertragen ließe.

 

Der hypothesen-geleitete Rechercheansatz

Manchmal steht am Anfang aber keine Frage, sondern eine Hypothese. Der feine Unterschied? Eine Frage will man beantworten, eine Hypothese will man stützen. Ein gelungenes Projekt, dass ich diesem Rechercheansatz zuordnen würde ist bei Zeit online zu finden. Sascha Venohr und sein Datenteam hatten anlässlich des 25 jährigen Jubiläums des Mauerfalls die Hypothese aufgestellt, dass die ehemalige Trennung der Deutschen in gewissen Teilbereichen noch immer sichtbar sei. Querbeet werteten sie Daten aus und suchten nach Themen, bei denen Ost und West auf deutlich andere Ergebnisse kommen. Eine witzige Idee, die die Mauer nicht nur durch bekannte Unterschiede wie das durchschnittliche Einkommen wieder auferstehen lässt. Das Land ist auch geteilt, was den Vornamen Ronny oder den Anteil betreuter Kinder anbelangt…

 

Ein Thema finden via number-crunching

Number-crunching, das heißt eigentlich nichts anderes als Zahlenverarbeitung. Ein Überbegriff für das, was Datenjournalisten eben so machen: sammeln, sortieren, analysieren, visualisieren…

Trotzdem kann man eine Recherche auch über number-crunching beginnen, also ganz ohne Ausgangsfrage oder Hypothese. Dafür muss man etwas Zeit und Gedud mitbringen, und manchmal auch starke Nerven. Denn wenn man einen riesigen Datensatz vor sich hat, ohne die geringste Ahnung wonach man suchen soll, kann das schon ziemlich frustrierend sein. Eventuell findet man nichts. Doch man kann auch auf eine Goldmiene stoßen! Vielleicht ist es ein Mittelwert oder eine Zahl, die einem komisch vorkommt und -zack!-  hat man eine Story gefunden von der man nicht mal wusste, dass sie eine ist.