Muss er programmieren können oder arbeitet er mit Codern zusammen? Muss er Grafiker sein oder hat er dafür Profis an der Hand? Arbeitet er allein oder ist er für die Recherche und Koordinierung eines Teams zuständig?

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 13.21.38Der Datenjournalist: was ist er überhaupt? Und: was kann er? Guckt man sich die Datenjournalisten im deutschsprachigen Raum an fällt schnell auf, wie verschieden ihre Arbeiten sind. Teilweise nicht mal vergleichbar. Ganz unterschiedliche Themen und Themenbereiche werden behandelt, die Vorgehensweise unterschiedet sich und auch das, was am Ende für den Nutzer dabei herausspringt wird unterschiedlich aufbereitet. Trotzdem kann man sie nicht in besser oder schlechter sortieren, weil irgendwie alles guter ddj zu sein scheint.

Christina Elmer, Sascha Venohr, Gregor Aisch, Sylke Gruhnbach… Wenn man wie ich das Ziel verfolgt, einmal zu ihnen zu gehören, Datenjournalistin zu sein, dann ist es gar nicht so einfach sich in dieser Vielfalt zu orientieren (siehe Kira Schacht). Wo also anfangen?

Das schöne an einem Studium ist ja, dass man erstmal noch ein bisschen an die Hand genommen wird. Auch wenn man noch nicht so richtig weiß, was man am Ende alles können muss (definitiv nicht alles, was man an der Uni lernt), der Modulplan weist einem den richtigen Weg. Ich studiere Wissenschaftsjournalismus mit dem Schwerpunkt Datenjournalismus an der TU Dortmund. Ich besuche Vorlesungen mit Journalistikstudenten und gehe in Statistik- und Programmierkurse.

Ich programmiere mit der Statistiksoftware R. Als ich letztes Jahr in der Veranstaltung dazu von Uwe Ligges saß, wusste ich noch nicht mal, was das ist. Jetzt code ich vor allem in meiner Freizeit, lade mir irgendwelche Datensätze runter, crunche numbers und visualisiere. Ich bin bei R-Foren angemeldet, durchsuche R-Blogs nach tollen Grafiken und versuche, sie mit meinen eigenen Datensätzen nachzubauen. Jetzt darf man nicht erwarten, dass man mir bloß einen riesigen Datensatz und ein paar Visualisierungswünsche an die Hand geben muss und zwei Stunden später eine perfekte interaktive Anwendung in den hippsten Farbtönen zurück bekommt: vor neun Monaten habe ich gerade mal gewusst, wie man R als Taschenrechner benutzt. Deshalb freue ich mich auch über simple Sachen wie eine Deutschlandkarte, die nur einen Hauch von Interaktivität hat, wie diese Karte mit den Höchsttemperaturen für diesen Mai je Bundesland. Das Ganze hat nur die paar Zeilen Code gekostet, die oben abgebildet sind.


Noch lang nicht perfekt, aber immerhin: homemade with love. Manchmal codiere ich auch 200 Zeilen und merke erst danach, dass ich einfach eine Schleife hätte schreiben können. Was am Ende dabei rausspringt habe ich bisher nie veröffentlicht, weil ich nur codiert habe, um zu lernen. Um besser und schneller zu werden. Wenn ich mich in R dann sicher genug fühle will ich noch andere Sprachen ausprobieren, ein bisschen mehr CSS lernen, HTML üben, mal in Python oder Ruby reinschnuppern. Bisher sind meine Fähigkeiten da noch eher dürftig. Aber ich habe ja Zeit, und ich nutze sie: jeden Tag ein kleiner Schritt Richtung Journocoder.

Neben R benutze ich derzeit auch oft tools wie CartoDB oder Datawrapper. Mit solchen Werkzeugen arbeiten zu können ist wichtig, denn sie sind sehr nützlich und viele Datenredaktionen benutzen sie. Um mich in der deutschsprachigen ddj-Welt besser orientieren zu können will ich während dem Studium möglichst viele Erfahrungen durch Praktika sammeln. Anfang nächsten Jahres werde ich beim Data-Team des SRF in Zürich mitarbeiten und freue mich riesig darauf. Und schon jetzt habe ich die Möglichkeit bekommen, zusammen mit Thomas Thiel von den Ruhrnachrichten mal was richtig datenjournalistisches auf die Beine zu stellen. Kann es mehr Motivation geben, am Datenball zu bleiben?