Im Zuge eines Seminars haben Lukas Hansen und ich am Beispiel eines Projekts der Berliner Morgenpost ein Konzept für eine datenjournalistische Geschichte für und über Dortmund entwickelt.

In Zusammenarbeit mit dem Onlineredakteur der Ruhr Nachrichten Thomas Thiel haben wir dieses Projekt als kleine Datenreihe zu Dortmunds Einwohnern Anfang diesen Jahres umgesetzt.

Warum wir uns ausgerechnet das Projekt Zugezogene und echte Berliner – Wer kam, wer ging, wer heute hier wohnt des Interaktiv-Teams der MoPo ausgesucht haben und wie wir an die Umsetzung heran gegangen sind könnt ihr hier nachlesen.

 

Lukas Hansen, Marie-Louise Timcke

Datenjournalismus im Lokaljournalismus am Beispiel eines Projekts der Berliner Morgenpost und eines Konzepts für Dortmund

 

Vorlesung „Einführung in den Datenjournalismus“
Prüfer: Prof. Dr. Holger Wormer
Wintersemester 14/15
Abgabe: 15.08.2015

 

1. Das Ausgangsprojekt

1.1 Zugezogene und echte Berliner

„25 Jahre nach dem Fall der Mauer leben rund dreieinhalb Millionen Menschen in Berlin. Und die Stadt wächst, der Wohnraum wird knapp, allein im vergangenen Jahr zogen fast 170.000 Neu-Berliner zu. Doch die Geschichte der Berliner Bevölkerung seit dem Mauerfall ist nicht die Geschichte eines stetigen Booms, sondern die des großen Austauschs.“[1]

Das Projekt Zugezogene und echte Berliner – Wer kam, wer ging, wer heute hier wohnt erschien Anfang November letzten Jahres (2014)  auf der Internetseite der Berliner Morgenpost. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls analysierte und visualisierte das fünfköpfige Interaktiv-Team um Julius Tröger gemeinsam mit dem Datenjournalisten Björn Schwentker Daten zu Einwohnern und Umzügen in Berlin vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Dabei handelt es sich weniger um ein einziges datenjournalistisches Element als um ein ganzes Projekt, bei dem verschiedene Daten mit verschiedenen Grafiken und Karten visualisiert wurden.

Eine interaktive Choropleth-Stadtkarte von Berlin zeigt die Anteile an den Gesamteinwohnern von zugezogenen und gebürtigen Berlinern pro Stadtbezirk und Kiez. Dabei dient ein Blau-Orange-Farbschema der visuellen Unterteilung. Je intensiver orange ein Stadtteil eingefärbt ist, desto höher der Anteil zugezogener Berliner. Ein großer Anteil gebürtiger Berliner an der Gesamtbevölkerung eines Kiezes wird durch verschiedene Blautöne dargestellt. Über eine Suchfunktion können Nutzer nach bestimmten Adressen suchen oder mit der Maus und Zoomoption die Karte absuchen.

Begleitet von einem Text, der die Grafiken erläutert und zentrale Funde zusammenfasst kann der Leser sich durch weitere Diagramme und Karten scrollen. Inhaltlich geht es vor allem darum, wer Berlin wann und wie in seiner Entwicklung beeinflusst hat, wo es Trends gab und wo sie heute sind. Verschiedene Berliner Bevölkerungsgruppen werden dabei unter die Lupe genommen. Einige Choropleth-Karten zeigen die Anzahl der Zuzüge aus den deutschen Bundesländern in die elf Stadtteile der Hauptstadt für verschiedene Jahre. Aus einem interaktiven Liniendiagramm lässt sich verfolgen, wie diese Zu- und Fortzüge sich von 1991 bis 2013 entwickelt haben. Das Gleiche ist auch für verschiedene, ausgewählte Länder umgesetzt worden. Hier kann man sehen, aus welchen Ländern wie viele Menschen wann nach Berlin zogen oder aus Berlin auszogen. Eine dynamische Icon Matrix zeigt die Anzahl Zuzüge, Fortzüge und Umzüge innerhalb Berlins pro Minute im Vergleich. In einer weiteren Choropleth-Karte sind die Kieze nach der Nationalität eingefärbt, die der größte Anteil der dort wohnenden Migranten hat. Durch die Orientierung von türkeistämmigen Migranten an der Westgrenze der ehemaligen Mauer lässt sich deren Verlauf in der Karte noch deutlich nachvollziehen. Am Ende der Geschichte hat der Leser die Möglichkeit, die Datenredaktion zu kontaktieren oder die Rohdaten einzusehen und auf seinen Rechner zu laden.

Für dieses Projekt wurde das Team um Julius Tröger mit einem Preis ausgezeichnet. Bei den Data Journalism Awards in Barcelona wurde Zugezogene und echte Berliner – Wer kam, wer ging, wer heute hier wohnt mit einer Special Citation geehrt.[2]

1.2 Weshalb das Projekt interessant ist

Das Projekt kann als eine Art Wellnessdatenjournalismus (oder vielleicht besser: nice-to-know-ddj) bezeichnet werden. Das Thema ist auf eine unterhaltende Art und Weise interessant, erfüllt aber keinen besonderen Anspruch von Relevanz oder Investigation. Die Geschichte ist historisch motiviert, geht aber thematisch weit über den Mauerfall vor 25 Jahren hinaus. Interessant ist auch und vor allem, wie hierbei Datenjournalismus im Lokalen eingesetzt wird.

1.2.1 Historischer Kontext

Veröffentlicht wurde Zugezogene und echte Berliner – Wer kam, wer ging, wer heute hier wohnt anlässlich des 25-jährigen Mauerfall-Jubiläums. Seitdem die Grenzen 1989 geöffnet wurden, ist viel in Berlin passiert. Die Bevölkerungsstruktur hat sich komplett verändert. Nun, 25 Jahre später, ist Berlin eine Multi-Kulti-Stadt. Dementsprechend ist der Mauerfall der Aufhänger des Ganzen, das Projekt geht jedoch über die Historie hinaus.

1.2.2 Lokaler Datenjournalismus

Vor allem ist das Projekt jedoch interessant, weil es lokaljournalistischer Datenjournalismus ist. Der Mauerfall ist zwar ein Thema, das national und international relevant ist. Die Morgenpost fokussiert mit ihrem Projekt jedoch gänzlich Berlin und richtet sich damit vor allem lokal an dessen Einwohner. Die Möglichkeit der Suchfunktion und die feine Aufspaltung der Daten auf einzelne Kieze holen den Nutzer direkt vor seiner Haustür, aus seinem Kiez ab. Wie viele echte Berliner wohnen denn in meinem Viertel? Obwohl es Datenjournalismus bereits seit zehn Jahren in Deutschland gibt, arbeiten nur wenige Redaktionen datenjournalistisch. Vor allem überregional arbeitende, größere Medienhäuser haben Daten-Teams, die sich verschiedener nationaler Themen annehmen.

Das Interaktiv-Team der Berliner Morgenpost arbeitet regelmäßig datenjournalistisch und so gut wie immer Berlin-bezogen. Mit Zugezogene und echte Berliner – Wer kam, wer ging, wer heute hier wohnt haben Julius Tröger und sein Team gezeigt, dass Datenjournalismus auch wunderbar auf lokaler Ebene funktioniert.

1.3 Ein Exkurs: Das Problem des Datenjournalismus

Weil Datenjournalismus in deutschen Medien noch immer wenig verbreitet ist, können viele Rezipienten gar nichts mit dem Begriff an sich anfangen. Das mag auf der einen Seite daran liegen, dass nicht einmal unter Journalisten der Begriff des Datenjournalismus genau definiert ist (ist er nun eine eigene Disziplin? Oder eher eine Darstellungsform?). Auf der anderen Seite liegt die Unkenntnis unter den Nutzern aber auch daran, dass Datenjournalismus bisher kaum in die alltägliche Berichterstattung integriert wird. Es gibt vereinzelt Leuchtturmprojekte, die zwar toll visualisiert sind aber ohne ein erkennbares Muster die verschiedensten Themen abdecken: Auf eine Choropleth-Karte zu deutschen Faschisten folgt eine Netzwerkanalyse deutscher Youtuber.

Dazu kommt, dass man diese Projekte häufig nicht auf den normalen Internetseiten der Medien, sondern auf ihren für Unwissende fast schon versteckt liegenden Datenblogs findet. Wer Datenjournalismus nicht sucht, stößt selten auf ihn.

Zwar ist auch der Interaktivblog vom MoPo Interaktiv-Team erst nach einigem scrollen auf der Hauptseite der Berliner Morgenpost zu finden. Trotzdem muss man leider sagen, dass wenige andere Datenredaktionen so nah an der normalen Berichterstattung des Internetauftritts ihrer Zeitung platziert werden. Mit Zugezogene und echte Berliner – Wer kam, wer ging, wer heute hier wohnt sind Julius Tröger und sein Team auf einem guten Weg, Datenjournalismus stärker in die normale Berichterstattung zu integrieren und das Genre endlich in den Alltag des gewöhnlichen Nutzers zu bringen.

1.4 Mögliche Lösungen

Eine mögliche Lösung für das Bekanntheitsproblem wäre also, den Rezipienten vor der Haustür abzuholen. Ähnlich, wie das schon bei dem Projekt von der Berliner Morgenpost der Fall ist. Themen müssen behandelt werden, die auch von Ottonormalverbrauchern geklickt werden und für die sich nicht nur Journalismus- und Daten-Interessierte begeistern können.

Datenjournalismus muss in der alltäglichen Berichterstattung, zwischen Artikeln, Reportagen und Videobeiträgen, auftauchen. Und das nicht zwingend als großes Leuchtturmprojekt. Die reine Anwesenheit von kleinen datenjournalistischen Elementen in einem gewöhnlichen Nachrichtenbeitrag und der gezielte Einsatz von sinnvollen Darstellungsformen und Methoden bei verschiedenen Themen würde Datenjournalismus schon bekannter machen. Unter dem Politik-Reiter könnte dann auch eine datenjournalistische Geschichte zu einem politischen Thema auftauchen, unter dem Kultur-Reiter zum Beispiel das hier besprochene Projekt. Die Struktur der Datenblogs bleibt weiterhin wünschenswert, denn die häufig festen Designstrukturen der Onlineauftritte von Zeitungen und anderen medien könnten die kreativen Darstellungsformen von Datenjournalisten zu stark eingrenzen.

1.4 Umsetzungsmöglichkeiten

Im Hinblick auf den datengetriebenen lokaljournalistischen Ansatz geht das Projekt der Berliner Morgenpost als gutes Beispiel für verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten voran. Andere lokale Themen wie der geplante Umbau des Hamburger Friedhofes könnten ähnlich umgesetzt werden. Mit Choropleth-Karten, wie sie auch bei dem Projekt von Julius Tröger genutzt wurden, können zahlreiche lokale Themen umgesetzt oder Artikel ergänzt werden. Sie eignen sich sehr gut, um jegliche Art von Wandel in einer Region zu zeigen. Auch Verteilungen innerhalb einer Region können mit dieser Art von Karten aufgezeigt werden. Trotzdem sollten sie nicht sinnlos bei jeder noch so kleinen Möglichkeit verheizt werden. Rezipienten sollten langfristig auch an andere Darstellungsformen gewöhnt werden, damit eine interessante Datengeschichte für sie nicht gleich nach einer Matheklausur aussieht. Dennoch ist eine Visualisierung keineswegs Pflicht. Hinter einem spannend geschrieben Text kann auch eine gute, (vorzugsweise offengelegte) datengetriebene Recherche stecken.

Thematisch kann das Berliner Projekt leicht auf andere Städte übertragen werden: Wo wohnen eigentlich die echten Dortmunder in Dortmund? Wann kamen welche Migranten nach Dortmund, wo haben sie gewohnt? Sind sie wieder gegangen oder sind sie geblieben und welche Ereignisse stecken hinter diesen Bevölkerungsbewegungen?

In einer Hochschulstadt wie Dortmund könnten sich mit denselben Methoden interessante Geschichten ergeben. Man denke beispielsweise an das Kreuzviertel im Dortmunder Westen. Dort wird schon seit geraumer Zeit von einer Gentrifizierung gesprochen. Mit Daten von mehreren Jahren ließe sich diese Entwicklung analysieren und mit Choropleth-Karten visualisieren. Man könnte auch noch weiter gehen: Lässt sich beispielsweise an Bevölkerungsdaten auf Unterbezirksebene, aufgeschlüsselt nach Alter und im Fokus auf verschiedene Jahre ein Trend zeigen, wann welcher Dortmunder Stadtteil vor allem für junge Leute attraktiv schien? Wohnen in Bayern Geborene über ganz Dortmund verteilt oder gibt es einen Ballungsraum ganz weit weg vom BVB-Stadion? All diesen Fragen könnte sich datenjournalistisch angenähert werden, denn das Rohmaterial liegt bei der Stadt Dortmund vor. Mit ähnlichen Visualisierungen wie bei der Berliner Morgenpost können die Daten in einer oder in mehreren Geschichten die Entwicklung der Stadt thematisieren und Trends aufzeigen. Durch den starken lokaljournalistischen Aspekt werden die Leser direkt von der Haustür abgeholt, informiert und unterhalten. Ein breites Publikum würde durch die Positionierung in der allgemeinen Lokalberichterstattung den datengetriebenen Journalismus und seine Darstellungsformen kennenlernen und für ihn sensibilisiert werden. Und genau die fehlende Sensibilität der Redaktionen und Nutzer ist, was bei den Datenjournalismus-Qualitätsdebatten immer wieder angeprangert wird.

2. Das eigene Konzept

2.1 Die journalistische Dimension

Motiviert vom Jubiläum des Berliner Mauerfalls fasst das Ausgangsprojekt der Morgenpost Daten zu der lokalen Bevölkerungsentwicklung verschiedener Gruppen zu einer Geschichte zusammen. Im Mittelpunkt: das dynamische Berlin und seine Anwohner seit Bau der Mauer bis heute. Verschiedene Grafiken, erläuternder Text.

Einen solchen historischen Anreiz gibt es für die Umsetzung des Projekts mit Dortmunder Daten nicht. Stattdessen motiviert uns der lokaljournalistische Ansatz der datengetriebenen Geschichte, den wir für unsere Heimatstadt und mit einer Dortmunder Lokalzeitung erproben und weiter ausbauen wollen. Wir werden das Projekt der Berliner als Vorlage und zur Orientierung nutzen, es jedoch nicht eins zu eins in das Ruhrgebiet übertragen. Wir nehmen die Idee auf, nach Einwohner- und Wohnortentwicklungen zu fragen, wollen in der journalistischen Dimension jedoch in eine andere Richtung gehen. Statt dem eine-Datenabfrage-ein-Projekt-Prinzip wollen wir mehr Fragen stellen und je nach Datenlage verschiedene Teilprojekte umsetzen. Bei einzelnen Datensätzen oder Datensatzspalten sowie bei deren Kombinationen könnten sich mehrere Themen und verschiedene Darstellungsformen anbieten, die als voneinander unabhängige Geschichten umgesetzt werden können. Wir wollen nach dem eine-Datenabfrage-viele-Projekte-Prinzip so viele interessante Geschichten aus den Daten holen wie möglich.

Datenjournalismus wird uns dabei mal als Methode, mal als Darstellungsform oder als eine Kombination aus beidem dienen. Damit sind wir in der journalistischen Dimension sehr frei und können je nach Datenlage zwischen den verschiedenen Darstellungsformen wählen. Sprechen die Daten beispielsweise gegen einen deutlichen Trend, der sich leicht visualisieren lassen würde, so springt das Fehlen des Trends in den Mittelpunkt der Geschichte, wodurch eine andere Darstellungsform gewählt werden müsste. Unter anderem wollen wir Daten zu den Wohnorten 18- bis 25-Jähriger für drei Vergleichszeiträume analysieren. Findet sich ein Trend, entdecken wir einen Ballungsraum und dessen Verschiebung über die Jahre hinweg, dann wären eine interaktive Karte und ein paar Zeilen Text bereits ein interessantes Format. Findet sich kein deutlicher Trend, wohnen junge Erwachsene in jeder Ecke Dortmunds, dann könnte eine Reportage, vielleicht sogar eine Reihe, in der Protagonisten dieser Altersgruppe ihr Wohnviertel vorstellen und erzählen, warum sie dort gerne wohnen, das passende Format für die herausgefilterte Information sein. Im ersten Fall wären die Methode und die Darstellungsform datenjournalistisch, im zweiten Fall nur die Methode.

2.2 Zusammenarbeit mit den Ruhr Nachrichten

2.2.1 Der Fragenkatalog

Über die Schweizer Datenjournalistin Sylke Gruhnwald entstand Mitte Juli der Kontakt zum Onlineredakteur der Dortmunder Ruhr Nachrichten Thomas Thiel. Initiiert durch die Veranstaltung Einführung in den Datenjournalismus, war die Idee, das Projekt der Berliner Morgenpost für Dortmund umzusetzen, gerade erst entstanden. In Kooperation mit Thomas Thiel haben wir diese Idee weiter konkretisiert und die von uns gesammelten Fragen in einem Fragenkatalog zusammengetragen. Aufgrund seiner Erfahrung mit den Dortmunder Behörden hat der Onlineredakteur Details wie die Auswahl der Vergleichszeiträume vorgenommen und uns bei der Formulierung der Anfrage unterstützt. Der Fragenkatalog ist im ständigen Austausch von beiden Seiten verändert und erweitert worden. Am 04. August leitete Thomas Thiel ihn schließlich in seiner Finalform an den stellvertretenden Vorsitzenden der Städtestatistik VDSt AG Nord-West Berthold Haermeyer weiter. Voraussichtlich werden wir die Datensätze im September von seiner Abteilung erhalten. Als Vorbereitung erarbeiten wir inzwischen verschiedene Analyse- und Visualisierungsmöglichkeiten und prüfen mit Hilfe von Beispieldatensätzen Codes und Tools. Wie wir die Daten letztendlich visualisieren werden und welche und wie viele Geschichten auf deren Basis entstehen werden, lässt sich vor der detaillierten Analyse nicht genau sagen. Die Plattform des Projekts soll der Internetauftritt der Dortmunder Ruhr Nachrichten werden.

Folgende Daten interessieren uns:

 

1)  Einwohnerzahl unterteilt nach in Dortmund geboren und nicht in Dortmund geboren – und zwar in drei Vergleichszeiträumen: 1990, 2000,  2014

2) Einwohnerzahl aufgeschlüsselt nach den  Herkunfts-Bundesländern (Vorbild: Datenauswertung Timcke_HWB[3] nach  Geburtsort) – und zwar in drei Vergleichszeiträumen: 1990, 2000, 2014

3)  Anzahl der Zu- und Fortzüge von 1990 bis 2014, in Jahresschritten,  unterteilt nach in Dortmund geboren und nicht in Dortmund geboren

4)  Anzahl der Zu- und Fortzüge von 1990 bis 2014, in Jahresschritten,  aufgeschlüsselt nach ausgewählten Nationalitäten (Türkei, Polen, Russland, Rumänien, Bulgarien, Spanien, Portugal, Italien, Jugoslawien und Nachfolgerepubliken, Griechenland, Syrien)

5)  Einwohneranzahl ausgewählter Nationalitäten (Türkei, Polen, Russland,  Rumänien, Bulgarien, Spanien, Portugal, Italien, Jugoslawien und  Nachfolgerepubliken, Griechenland, Syrien), in Jahresschritten, seit  Beginn der Aufzeichnungen (1950? 1975?)

6) Einwohneranzahl nach  Altersgruppen aufgeschlüsselt (0-6, 7-17, 18-25, 26-40, 41-67,  68-ultimo), in Jahresschritten, seit Beginn der Aufzeichnungen

7)  Anzahl der Umzüge innerhalb Dortmunds, in Jahresschritten von 1990 bis  2014, insgesamt und speziell für die Altersgruppe 18-25 Jahre.

2.2.1 Die Zielvorstellung

Zwar haben wir das Oberthema des Fragenkatalogs aus 2.2.1 vom Berliner Ausgangsprojekt übernommen, denn auch bei uns geht es viel darum, wer wann kam, wer ging und wer blieb. Allerdings haben wir die Fragen ergänzt und die Punkte 3), 6) und 7) sind neu hinzugekommen.

Für die Anzahl gebürtiger und nicht gebürtiger Dortmunder in den verschiedenen Unterbezirken planen wir eine dem Berliner Vorbild ähnliche Choropleth-Karte. Zeigt sich hier ebenfalls ein Trend, der die Stadt durch eine imaginäre Mauer trennt? Gibt es keinen solchen Trend, könnte das Fehlen eines Trends oder der Anteil gebürtiger Dortmunder an den Gesamteinwohnern im Fokus einer Geschichte stehen. Zusätzlich haben wir Daten aus Vergleichszeiträumen angefragt, um eine eventuelle Entwicklung erfassen zu können, die ebenfalls interessant sein könnte. Die Daten zu Einwohnern nach Herkunfts-Bundesland könnten wir ähnlich wie die Morgenpost mit statischen Choropleth-Karten und interaktiven Liniendiagrammen veröffentlichen. Finden wir bei einer dieser Gruppen einen Trend oder eine Besonderheit, wäre auch eine Geschichte allein zu diesem Einwohneranteil in datenabhängigen Formaten denkbar. Ebenso könnte eine interaktive Choropleth-Karte informativ sein, in der jeder Unterbezirk Dortmunds nach dem Herkunfts-Bundesland mit dem größten Anteil an den dort wohnenden Einwohnern eingefärbt ist. Jedes Bundesland bekäme hierzu eine Farbe zugeordnet. Die Intensität der Farbe könnte außerdem für die Größe des Anteils dieser Einwohnergruppe im betreffenden Unterbezirk stehen. Dieselben Möglichkeiten gibt es für die Visualisierung der Daten zu Bevölkerungsgruppen der von uns ausgewählten Nationalitäten. Hier interessieren uns vor allem die zeitliche Dimension und der Blick auf einzelne Nationalitäten. Wir vermuten beispielsweise einen raschen Anstieg und einen bald darauf folgenden Abfall der Anzahl asiatisch-stämmiger Einwohner im Raum Hörde in der Zeit vor und nach dem Abbau der Hörder Stahlwerke. Diese Vermutung gilt es zu überprüfen und ähnliche Trends und historische Zusammenhänge für andere Nationen aufzudecken. Denkbar wären deshalb nicht nur Geschichten zum allgemeinen Kommen und Gehen in Dortmund. Wir könnten auch Teilprojekte umsetzen, die sich nur mit einer bestimmten Einwohnergruppe befassen. Das planen wir beispielsweise für die Daten zu den verschiedenen Altersgruppen. Wir wollen versuchen, das Wohnverhalten von Studenten und jungen Erwachsenen für drei Vergleichszeiträume zu untersuchen. Allein zu den Datensätzen der Punkte 6) und 7) ließen sich mehrere Geschichten in verschiedenen Formaten umsetzen.

2.3 Die technische Dimension

Sobald wir die Daten erhalten, werden wir sie bei einer manuellen Durchsicht auf ihre Vollständigkeit und einheitliche Benennung hin überprüfen. Besonderheiten bei den Bezeichnungen und der Codierung der Stadtstatistik müssen berücksichtigt werden. Beispielsweise ist es wichtig, zu wissen, ob die Ausprägungen des Merkmals Geburtsort mit Zahlen oder in Sätzen beschrieben wurden. Erst im nächsten Schritt sollten den Datentypen angemessene Methoden der deskriptiven Statistik benutzt werden, um die Datensätze genauer unter die Lupe zu nehmen. Lagemaße wie Median, arithmetisches Mittel, Modus sowie Minima und Maxima werden wir mit dem Statistikprogramm R[4] untersuchen. Mit diesem Programm könnte die manuelle Durchsicht auch schneller durch Abfragen logischer Werte des Datensatzes erfolgen. Die grafische Erstauswertung, die Aufschlüsse über Streuung und Korrelation der Daten geben kann, werden wir mit dem Programm JMP[5] machen. Durch die simple Benutzeroberfläche kann schnell zwischen verschiedenen Visualisierungen gewechselt und mit wenigen Klicks Signifikanztests durchgeführt werden.

Im nächsten Schritt werden wir uns bestimmte Teile der Datensätze mit Hilfe von R genauer ansehen. Beispielsweise werden wir die Anzahl gebürtiger Dortmunder in den verschiedenen Bezirken mit bestimmten Befehlen der Größe nach sortieren und in Beziehung mit der Bezirksfläche und Einwohnerzahl setzen. Im Weiteren könnte ein Plot der Jahre und der Anzahl gebürtiger Dortmunder gesamt und im Hinblick auf einzelne Bezirke Aufschluss über die Entwicklung dieses Merkmals geben. Je nach Beschaffenheit der Daten müssen andere Methoden zur Analyse herangezogen werden. Wird dabei ein interessanter Aspekt, eine Besonderheit entdeckt, muss diese noch näher untersucht werden. In Absprache mit den Ruhr Nachrichten werden wir relevante Erkenntnisse identifizieren und über die Darstellungsmöglichkeiten und Darstellungsformate austauschen.

Interaktive Karten und Graphen können leicht in R, JavaScript oder mit Hilfe verschiedener Internettools entstehen. Der Onlineredakteur der Ruhr Nachrichten Thomas Thiel hat uns bereits Polygongeodaten des Raums Dortmund und seiner Stadtbezirke, Unterbezirke sowie Statistischen Bezirke zukommen lassen. Diese Daten bilden das Grundgerüst für statische und dynamische Karten und können auch auf Grafikseiten wie CartoDB[6] eingelesen und mit Daten gefüttert werden.

[1] TRÖGER, Julius/PÄTZOLD, André/WENDLER, David et al.: Zugezogene und echte Berliner – Wer kam, wer ging, wer heute hier wohnt IN: Berliner Morgenpost. URL: http://www.morgenpost.de/berlin/25-jahre-mauerfall/interaktiv/article133254520/Gebuertige-Berliner-und-Zugezogene-Wer-kam-wer-ging-wer-heute-hier-wohnt.html?config=interactive. Abgerufen am 26.07.2015, 17:13 Uhr.

[2]o.a.A: Berliner Morgenpost gewinnt bei den Data Journalism Awards. IN: Berliner Morgenpost. URL: http://www.morgenpost.de/berlin/25-jahre-mauerfall/interaktiv/article133254520/Gebuertige-Berliner-und-Zugezogene-Wer-kam-wer-ging-wer-heute-hier-wohnt.html?config=interactive. Abgerufen am 12.08.2015, 12:21 Uhr.

[3] Datensatz, den wir im Zuge eines anderen Projektes bereits vor der Kooperation von der Stadt Dortmund erhalten hatten.

[4] The R Project for Statistical Computing. URL: https://www.r-project.org/

[5] JMP Statistical Discovery. From SAS. URL: http://www.jmp.com/de_de/home.html

[6] CartoDB. https://cartodb.com/